Biografien

Alex Bein

Der Historiker Alex Bein (1903–1988) war im Reichsarchiv in Potsdam ausgebildet worden. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er seit 1936 beim Aufbau des Zionistischen Zentralarchivs mitarbeitete. 1955 wurde er zu dessen Direktor, 1936 zum ersten Generalstaatsarchivar Israels ernannt, womit er auch die Aufsicht über die Jewish Historical General Archives hatte. Bis heute gilt er als einer der führenden Historiker zum Zionismus. Seine Nachlassbibliothek befindet sich am Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam.

Daniel J. Cohen

Daniel J. Cohen (1921-1989) stammte aus Hamburg, er emigrierte 1935 nach Palästina und absolvierte dort ein Studium zum Historiker und Archivar, 1957 übernahm er die Leitung der Jewish Historical General Archives.

Heinz Moshe Graupe

Heinz Moshe Graupe (1906–1997) wurde am 22. April 1906 als Sohn von Paul und Dora (geb. Melchiker) Graupe in Berlin geboren. Er studierte in Freiburg, Hamburg und Berlin Philosophie, Geschichte und semitische Sprachen, 1930 wurde er promoviert. 1926 hatte er auch ein Studium an der Hochschule für Wissenschaft des Judentums in Berlin aufgenommen und absolvierte dort 1932 das wissenschaftliche Rabbinatsexamen. Eine zusätzliche judaistische Ausbildung erfolgte 1930/31 an der Hebräischen Universität Jerusalem. Im April 1933 emigrierte Graupe nach Palästina und war dort zunächst als Privatlehrer, dann Sekretär am weltlichen jüdischen Schiedsgericht an der Jüdischen Gemeinde Haifa bis zu dessen Auflösung nach der Staatsgründung Israels tätig. Anschließend war er bei der Stadtverwaltung Haifa als Sekretär und Archivar angestellt. 1961 hatte er seine wissenschaftliche Arbeit wieder aufgenommen. 1964 wurde Graupe der erste Direktor des neu gegründeten Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, das 1966 eröffnet werden sollte, und damit auch Lehrbeauftragter für Geschichte und Geistesgeschichte der deutschen Juden an der Universität Hamburg. In Hamburg, wo er mit seiner Frau und seinem Sohn lebte, war er auch im Kulturausschuss der jüdischen Gemeinde und als Mitglied der Joseph-Carlebach-Loge im B’nai B’rith-Orden aktiv. Seinen Ruhestand verbrachte Graupe bei seinem Sohn in Chicago.

Heinz Moshe Graupe, IGdJ-Archiv, 13-093.

Heinz Moshe Graupe, IGdJ-Archiv, 13-093.

Hans W. Hertz

Hans W. Hertz stammte aus einer großbürgerlichen Familie in Hamburg. Sein Vater Wilhelm Hertz war der erste Jugendrichter Hamburgs und von 1923 bis 1933 Direktor der Jugendbehörde. Hans W. Hertz studierte Rechtswissenschaften und Geschichte in Heidelberg, München und Hamburg und machte 1926 sein erstes juristisches Staatsexamen. Im Anschluss an sein zweites Examen begann er seine Probezeit als Assessor im hamburgischen Staatsdienst und kam dabei vor allem im Staatsarchiv zum Einsatz. Obwohl Hertz nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums als „Vollarier“ galt, wurde er 1933 wegen seines jüdischen Urgroßvater Adolph Jacob Hertz denunziert und in Folge entlassen.1

1934 registrierte er sich als Anwalt und spezialisierte sich auf Abstammungsnachweise, eine Zulassung als Notar wurde aufgrund der widerrechtlichen Einstufung als Nichtarier zunächst abgelehnt, 1940 konnte er aufgrund von Personalmangel eine Zulassung als Hilfsrichter beim Amtsgericht erreichen, wurde dort aber 1943 wegen vorgeblicher „Unzuverlässigkeit“ entlassen. Seit 1946 war Hertz als selbständiger Notar zugelassen. Zur gleichen Zeit war er für das Staatsarchiv tätig. Früh hatte sich Hertz für die Bewahrung von Kulturgut zu interessieren begonnen. Bereits während seines Studiums trat er dem Verein für Hamburgische Geschichte bei. 1934 und 1941 war er an der Auflösung, Überführung und Sicherung mehrerer (jüdischer) Friedhöfe beteiligt. 1939 startete Hertz gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Jüdischen Religionsverbandes, Max Plaut, sowie mit Leo Lippmann eine Initiative zur Fotodokumentation des Altonaer Friedhofes und kooperierte hierzu auch mit dem Reichsinstitut für die Geschichte des neuen Deutschlands und dessen Projekt „Sicherstellung des historischen und anthropologischen Materials der Judenfriedhöfe in Deutschland“, welches von der SS unterstützt wurde.2

Seit Winter 1943 engagierte er sich außerdem für die Sicherung von wertvollen Kulturgütern aus Privatbesitz und öffentlichen Einrichtungen. In diesem Zusammenhang steht vermutlich auch seine von der Forschung kontrovers diskutierte und bewertete Rolle bei der Überführung der jüdischen Gemeindearchive in das Hamburger Staatsarchiv.3 Nach Kriegsende war Hertz im Staatsarchiv für die Ordnung des Bestandes der jüdischen Gemeinden zuständig. Außerdem wurde er 1958 in den Landessachverständigenausschuss für Archivgut berufen, engagierte sich bei der Gründung des IGdJ, in dessen Kuratorium er von Beginn an Mitglied war, und bekleidete ab 1971 den Vorsitz des Denkmalrates. Auch war er im Vorstand und Beirat der Patriotischen Gesellschaft. 1984 wurde ihm für seine Verdienste um die Bewahrung und Pflege von Kulturgütern die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen.

Jacob Jacobson

Jacob Jacobson (1888-1968) war als Historiker von 1920 bis 1939 Direktor des Gesamtarchivs der deutschen Juden in Berlin. Im Mai 1943 wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit werden konnte. Er emigrierte nach London und engagierte sich dort im 1957 gegründeten Leo Baeck Institut.

Fritz M. Warburg, StaHH / IGdJ-Bildarchiv, PER00336.

Fritz M. Warburg, StaHH / IGdJ-Bildarchiv, PER00336.

Bibliographie

  • Zimmermann, Gunnar, Hertz, Hans Wilhelm, in: Hamburgische Biografie Bd. 6, S. 125-127.

Fußnoten

  1. Gunnar Zimmermann, Hertz, Hans Wilhelm, in: Hamburgische Biografie Bd. 6, S. 125-127, hier: S. 125.
  2. Gunnar Zimmermann, Hertz, Hans Wilhelm, in: Hamburgische Biografie Bd. 6, S. 125-127, hier: S. 126.
  3. Gunnar Zimmermann, Hertz, Hans Wilhelm, in: Hamburgische Biografie Bd. 6, S. 125-127, hier: S. 126.